Datensammler

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BarcodesMan sagt mir ja manchmal nach, ich sei ein Datensammler, weil ich gerade Kontaktdaten gerne vernünftig und komplett habe. Will heißen, meine Adress- und Telefonbücher sind eigentlich beides in einem.

Streng genommen habe ich nur noch ein einziges Adress- und Telefonbuch, und das liegt ausgerechnet auf den Servern von Google, und Google ist ja bekanntlich böse. :roll: Aber ich habe die Kontaktdaten darin gerne komplett. Wenn verfügbar, trage ich neben Namen, Telefon-Nummern und Mailadressen auch gerne Postanschriften und Geburtstage, Webadressen, Instant-Messenger-Aliase, usw. mit ein. Und mein Android-Smartphone verknüpft die Daten auch noch mit meinen Twitter- und Facebook-Kontakten. :smoke:

Um meinen Tick um vollständige Kontaktdaten soll es hier aber gar nicht gehen. Ich meine mit dem Titel hier eigentlich die Datensammler Apple und Google, die mit ihren, bzw. mit ihren Systemen betriebenen Smartphones und Tablets Bewegungsprofile speichern. Im Bezug auf Android habe ich in meinem Linux-Blog bereits berichtet.

Nun gut, nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Bei Apple sollen die Bewegungsprofile nun doch nicht so vollständig sein, wie zunächst behauptet wurde. Und außerdem soll mit dem nächsten iOS-Update die Aufzeichnung abgeschaltet werden, wie ich gestern über Twitter gelesen habe. Von Google hat man da noch nichts zu gehört.

Nun denn, Google ist böse, Apple scheinbar auch (außer man ist Apple-Fanboy). Aber was ist mit anderen Geräten anderer Hersteller?

Z.B. der niederländische Navigationsgeräte-Hersteller TomTom. Bei Caschy habe ich vorhin gelesen, dass TomTom-Navis auch Daten speichern, nämlich das Fahrverhalten des Nutzers. Also gefahrene Strecken und die dort gefahrenen Geschwindigkeiten. Und wenn man das Teil dann an den PC anschließt, um Aktualisierungen zu laden, werden die Daten an TomTom übertragen, sofern man der Übertragung von Daten zum Zwecke der Service-Verbesserung zugestimmt hat.

In den AGBs weist TomTom auch darauf hin, ebenso auf die Tatsache, dass diese Daten auch an Dritte weiter gegeben werden. Aber wer liest schon die AGB? Und außerdem… Ist doch „nur” TomTom, und nicht Apple, Goolge oder Microsoft.

Das prekäre daran: TomTom verkauft diese Daten an die niederländische Polizei, wie bei Caschy zu lesen ist. Und die Polizei wertet aus, wo zu schnell gefahren wird, um dort Blitzer zu installieren und so die Staatskassen zu füllen.

Und wer garantiert jetzt, dass TomTom nicht auch Daten an die deutsche Polizei verkauft? Ich meine, die deutsche Polizei ist sich ja auch nicht zu schade, Beweismittel aus dubiosen Quellen zu kaufen, siehe Steuersünder-CDs.

Ob die Daten jetzt, die an TomTom gesendet werden, anonymisiert sind, oder ob die Daten über die IP-Adresse personenbezogen sind, ist mir nicht bekannt. Auch nicht, ab die Daten personenbezogen oder anonymisiert weiter gegeben werden.

Nun, das Schlimme daran ist, dass hier Daten ohne Wissen und Einverständnis der Nutzer gesammelt und verarbeitet werden. Zumindest beim TomTom kann man die Datenübermittlung abschalten, bei iOS und Androis nicht. Und ich möchte wissen, was Microsoft mit Windows Phone 7 so alles sammelt.

Es geht jetzt um Ortsdaten, um Bewegungsprofile. Und da werden mir jetzt sicher wieder viele entgegenhalten, dass die Leute die Daten bei Foursquare, Gowalla & Co doch eh preisgeben. Richtig, mache ich ja auch. Aber: Da gebe ich meine Standorte freiwillig an, und verwurste nicht jeden Ort mit Foursquare.

Das Zauberwort heißt „informationelle Selbstbestimmung” und die garantiert mir das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in Artikel 2 Absatz 1 in Verbindung mit dem so genannten Volkszählungsurteil aus den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts (BVerfGE 65, 1, 46).

Natürlich nutze ich mein Android-Handy trotzdem weiter, auch wenn ich die Datenspeicherung nicht beenden kann.

Keep it Country, Markus

4 Kommentare

  1. Schlumpf (Twitter: )

    Das Problem mit den Grundrechten ist nur immer, dass sie direkt nur im Verhältnis Bürger zum Staat und umgekehrt gelten (s. Art. 1 II GG). Und zum Glück weder Apple noch Google unser Staat.

    Eine Argumentation über das geltende Datenschutzrecht – als Auswirkung der Grundrechte – wäre wohl „richtiger“ und damit das Recht auf „informationelle Selbstbestimmung“ dann indirekt auch für Apple und Google „gültig“.

    1. Markus (Twitter: ) (Beitrag Autor)

      Sicher, Unternehmen wie Google oder Apple haben sich bei Aktivitäten in Deutschland an das deutsche Datenschutzgesetz (BDSG) zu halten. Aber: Deutsche Gesetze basieren auf dem GG…

  2. Marcus (Twitter: )

    Wo hast Du gelesen, das die / unsere Polizei die Steuer-CD’s gekauft hat?

    Meinen Informationen zufolge war es einzig und allein der Bund. Die Polizei hat nur ihren Quark dazu gegeben.

    Und überhaupt: Die Amis lachen sich doch über das was wir für ein Aufhebens über den Datenschutz machen einen Ast.

    Wenn wir alle den Datenschutz ernst nehmen würden, dürften Deutsche Webseiten und Blogs nicht existieren, weil wir gar nicht ins I-Net gehen könnten.

    Und nicht zu vergessen: Auch wenn man die USA nie besucht, glaube ich das FBI und CIA, und was da noch so rumläuft, mehr über uns wissen als der Tante Go und Co. zusammen

    1. Markus (Twitter: ) (Beitrag Autor)

      Gut, dann hat der Bund die CDs gekauft, und die Polizei, welcher Kategorie auch immer, hat trotzdem die Daten aus dubioser Quelle zu Ermittlungszwecken genutzt.

      Der Ami an sich ist schon mal doof. Sage ich, obwohl ich eine weitgehend amerikanische Einstellung habe. Der Titel dieses Blogs kommt nicht von ungefähr…

      Die Gesetze in Amiland sind eh deutlich laxer, als wir das gewohnt sind, nicht nur in Punkto Datenschutz, sondern beispielsweise auch in Sachen Waffenrecht. Dafür sind die Strafen bei Verstößen dort um einiges drastischer als hier…

      Anyway, gib dem Ami einmal ein solch strenges Datenschutzgesetz wie das unserige, will er da such keine Lockerung mehr haben. In einem Land, wo man seine Privatsphäre zur Not mit der Waffe verteidigt.

      Der Datenhunger der Amis ist der Grund, warum ich Nashville nie besuchen werde, obwohl mich Music City USA sicher interessieren würde.

      Deutsche Blogs haben mit dem Datenschutz zunächst mal nichts zu tun. Denn was ich da preis gebe, bestimme ich noch immer selbst. Da wären wir wieder bei der informatiellen Selbstbestimmung. Und die Provider, die uns den Internet-Zugang bringen, sind in Deutschland ansässige Unternehmen (oder zumindest Niederlassungen), die folglich auch dem BDSG unterliegen. Und wer Tittenseiten besucht, und da seine Kreditkartendaten eingibt, ist selber Schuld.

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