FaceApp oder was? [Update]

Messenger Header, Bild: Cowboy of Bottrop, Lizenz: CC-by-sa 3.0 de
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Letzte Woche wurde bekannt, dass Facebook den Messaging-Dienst WhatsApp für sage und schreibe 19 Milliarden US-Dollar gekauft hat. Spötter sagen ja, das war dumm, weil man es ja hätte kostenlos herunterladen können… :-D

Aber Spaß beiseite: WhatsApp war nie als Datensafe bekannt, eher im Gegenteil als eine einzige Sicherheitslücke. Trotzdem hat man weltweit 450 bis 500 Millionen Benutzer auf sich vereinigen können und ist somit der wohl größte Anbieter von kostenlosen Textnachrichten. 1

Nachdem WhatsApp aber jetzt von Facebook einverleibt wurde, ist bei vielen die Empörung groß und dem Dienst laufen die Kunden scharenweise davon. Auch ich habe meinen WhatsApp-Account gelöscht, was ich aber bereits seit längerem überlegt habe. Die Übernahme durch FB war quasi der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Aber wohin jetzt? Welchen Messenger soll man jetzt verwenden? Facebook-Chat? Scheidet für viele auch aus, da kann man ja gleich bei WA bleiben. Hangout? Wer hat Google-Account hat, dem steht auch Hangout zur Verfügung. Also schon mal jedem, der ein Android-Smartphone nutzt. Aber ich kenne einige Leute, die knallhart sagen, dass sie Hangout nicht auf dem Handy haben wollen. Ich habs zwar drauf, nutze es aber kaum… :-/

Kommen wir also mal zu den wirklichen Alternativen: Threema, Telegram, TextSecure.

Threema

Von Threema hörte ich vor einigen Monaten zum ersten mal, hab mich aber nicht weiter damit befasst. Als ich sah, dass die App für Android 1,60 € kosten soll, hatte sich das für mich zunächst mal erledigt. Inzwischen sehe ich die Sache jedoch anders und habe Threema auf meinem Smartphone installiert. Ich freue mich über eine immer größer werdende Kontaktliste, auf der sich auch Leute finden, die ich bei WA nie gesehen habe.

Threema verspricht Ende zu Ende Verschlüsselung der Nachrichten und keine Speicherung auf den Unternehmensservern. Bei temporärer Unzustellbarkeit soll eine Nachricht laut FAQ bis zu 14 Tagen gespeichert werden. Direkt nach Zustellung an den Empfänger werde die Nachricht auf den Threema-Servern gelöscht, zudem werden Metadaten angeblich nur so lange gespeichert, wie es für die Zustellung der Nachricht erforderlich ist.

Da die Nachricht bereits auf meinem Handy verschlüsselt wird, der private Schlüssel das Gerät angeblich nie verlässt und die Nachricht erst wieder auf dem Empfängergerät entschlüsselt wird, soll ein unauthorisiertes Mitlesen der Nachricht unmöglich sein. Ein Abfangen der Nachricht soll demnach nichts bringen, da sie nur vom rechtmäßigen Empfänger entschlüsselt werden kann und jeder andere somit nur Datensalat vorfindet.

Das Sicherheitskonzept in der Kontaktliste hat was. Die Kontakte werden mit einem Ampelsystem gekennzeichnet.

  • Rot bedeutet, dass ich einen Kontakt manuell hinzugefügt habe, oder er mich über Threema kontaktiert hat. Die Identität kann nicht überprüft werden.
  • Gelb sind Kontakte gekennzeichnet, die mit der angegebenen Handynummer oder Mailadresse in meinem Adressbuch gefunden wurden. Hier kann man sich ziemlich sicher sein, dass der Kontakt auch der ist, der er zu sein vorgibt.
  • Grün gekennzeichnete Kontakte habe ich überprüft. Die Identität ist nachgewiesen. Dazu habe ich den Kontakt persönlich getroffen, idealerweise seine Identität mit einem amtlichen Ausweisdokument geprüft und anschließend einen QR-Code gescannt.

Man sieht hier schon mal einen Vorteil, den Threema den anderen Apps gegenüber hat: man kann sich auch über eine gültige Mailadresse registrieren und die App somit auch auf einem Tablet ohne SIM-Karte nutzen. Bei alleiniger Registrierung über die Handynummer geht das nicht, da die Verifizierung fehlschlagen muss.

Der QR-Code zum Einscannen wird innerhalb der App angezeigt und gescannt, somit ist hier Manipulation durch Dritte so ziemlich ausgeschlossen.

Der Nachteil bei Threema: es ist closed Source, somit kann niemand nachprüfen, ob die Aussagen des schweizer Entwicklers stimmen. Der sagt selbst, dass jeder selbst entscheiden müsse, ob er ihm vertrauen will, oder lieber nicht.

Threema ist erhältlich für Android, iOS, und Windows Phone. Versionen für Blackberry, Symbian & Co. sind nicht geplant. Auf lange Sicht könnte es aber möglicherweise mal eine Desktop-Version geben.

Threema
Threema
Entwickler: Threema GmbH
Preis: 2,99 €
Threema
Threema
Entwickler: Threema GmbH
Preis: 2,99 €
Threema
Threema
Entwickler: Threema GmbH
Preis: 1,99 €

Telegram

Kommen wir zu Telegram. Dieses ist kostenlos für Android und iOS verfügbar, der Account basiert nur auf der Handynummer. Das schließt eine Nutzung auf Tablets ohne SIM-Karte aus.

Den Verifizierungs-Code, den man per SMS bekommt, muss man manuell in der App eingeben. Das machen andere automatisch. Ansonsten findet hier, wie auch in Threema, die üblichen Funktionen. Kontakte werden mit dem Adressbuch synchronisiert, bei neuen Kontakten in Telegram bekommt man eine Nachricht nach dem Muster „Max Muster joined Telegram“.

Insgesamt habe ich hier aber deutlich weniger Kontakte, als das bei Threema der Fall ist. Ich frage mich, wo die 100 neuen User pro Sekunde sind, die sich angeblich während des WhatsApp Server-Ausfall letzte Tage registriert haben… :-/

Auch Telegram wirbt mit verschlüsselter Übertragung, die scheint aber kein Standard zu sein. Ich muss erst einen Kontakt auswählen und dann auf „Start Secret Chat“ klicken. Nein, die App spricht kein Deutsch. :-(

Da es sich um Open Source handelt, wurde diese App auch von Experten auf Herz und Nieren geprüft. Das Ergebnis: die Sicherheit sei trügerisch, die Verschüsselung eben nicht sicher. Ich lasse das mal unkommentiert, denn auch bei Threema gibt es zunächst mal keinen Beweis für die Sicherheit.

Telegram
Telegram
Preis: Kostenlos

iOS-User bitte hier entlang

TextSecure

Der dritte im Bunde ist das gerade in Version 2 erschienene TextSecure. Der Nutzerkreis ist hier noch weiter eingeschränkt, weil die App nur für Android zur Verfügung steht.

TextSecure ist Open Source, bietet Ende zu Ende Verschlüsselung und ist kostenlos. Auch hier funktioniert die Registrierung ausschließlich über die Handynummer. SMS und MMS können auf Wunsch auch von TextSecure übernommen werden.

Ich habe die App vorhin mal installiert, weiß aber nicht viel darüber. Daher kann ich leider auch keine weiteren Aussagen dazu machen. Allerdings mag ich einer US-Amerikanischen App in Sachen Sicherheit auch nicht vertrauen. (Trifft auch auf Telegram zu)

Signal – Sicherer Messenger
Signal – Sicherer Messenger

Verbreitung der Apps

Das ist der Knackpunkt, an die halbe Milliarde von WhatsApp kommt natürlich keine der Apps dran. Wenn ich meine Kontaktlisten durchschaue, sehe ich

  • Threema: 89 Kontakte 2
  • Telegram: 21 Kontakte
  • TextSecure: 4 Kontakte

Stand: 26.02.2014, 17:37

Wie viele davon letztlich wieder zu WhatsApp zurück kehren und in den anderen Apps als Karteileichen stehen bleiben, bleibt natürlich abzuwarten.

Und sonst?

Es gibt natürlich noch deutlich mehr Messenger-Apps am Markt. Kik z. B. habe ich vor einiger Zeit mal ausprobiert. Ist sowas wie WhatsApp, verlangt auch ähnliche Berechtigungen. Sah damals jedoch altbacken aus und war im Vergleich zu WA nicht ganz so funktionell. Kostenlos, für Android. Andere Plattformen? Keine Ahnung… :-/

Dazu kommen noch diverse Jabber-Clients, die z. T. auch ICQ, Live (früher MSN), Skype, Yahoo und was weiß ich nicht alles können. Und die wichtigsten dieser Dienste haben auch noch eigene Apps am Start.

Fazit

Mein persönlicher Favorit ist Threema. Als erstes, weil es eben nicht aus Amiland, sondern aus der Schweiz kommt. Dazu ist hier, wie oben zu sehen, der Nutzerkreis am größten. Allerdings stehen da auch zwei, drei User mit mehren IDs drin. Meine Threema-ID findet Ihr bei Interesse im Impressum. Ansonsten hab ich zu Threema schon mal was geschrieben.

Ich will hier jedoch keine Empfehlung aussprechen. Wer was nutzt, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Macht euch Gedanken darüber, wem ihr eure Daten zur Verfügung stellt. Denn eine kostenlose App bezahlt ihr in den aller meisten Fällen mit eben euren Daten.

Update

Ich habe eben von dem Messenger LINE gelesen, der angeblich 360 Millionen Nutzer haben soll und wohl für die Plattformen iOS, Android, Windows Phone, BlackBerry, Firefox OS, Nokia Asha, sowie Windows und OS X verfügbar ist. Kann ich aber weiter nichts zu sagen.

Die Stiftung Warentest hat die Messenger unter die Lupe genommen und nur Threema als unbedenklich eingestuft: http://www.test.de/WhatsApp-und-Alternativen-Datenschutz-im-Test-4675013-0

Keep it Country, Markus

Notes:

  1. Abgesehen von der geringen Jahresgebühr von 0,79 € (Android)
  2. inkl. Kontakte aus Google Plus, Facebook, Skype usw, wenn die mit dem Adressbuch synchronisiert sind

2 Kommentare

  1. Fabian

    Ich und meine Kumpels werden zu Threema gehen, dass finden wir am besten handhabbar und dort gehen wohl insgesamt auch sehr viele Leute hin.
    Das ist eine Tolle Liste, Danke! :)

    Edit by Admin: gewerblichen URL entfernt.

  2. skyerjoe

    Textsecure v2 isr definitiv das state of the art der verschluesselung ( maxie Morlinspike )… … auch an tick besser als threema .. und gruppenchat ist besser .. noch

Kommentare sind geschlossen.

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