Der Autobahnkrieg

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Zu diesem Blogpost wurde ich angeregt durch die gleichnamige Dokumentation auf 3sat 1, in der private und gewerbliche Kraftfahrer und die Polizei diverse Statements abgeben.

Zunächst mal stellten die Fahrerinnen und Fahrer ihre Fahrzeuge kurz vor. Fast ausschließlich leistungsstarke Mittel- und Oberklassefahrzeuge, ein SUV, ein Kleintransporter und ein LKW. Aber auch ein 25 Jahre alter Campingbus, in dem man bei Tempo 120 oder 130 nen Geschwindigkeitsrauch bekommt. Dann schätzten sich die Protagonisten allesamt als gute Fahrer ein, die meisten von ihnen bekräftigten ihre Vorliebe fürs schnelle Fahren.

Einige Fahrer berichten von haarigen Situationen, die sie selbst auf deutschen Autobahnen erlebt haben. Andere erzählen, als sei es Normalste der Welt, dass sie auch schon mal bei Tempo 180 auf 2 m rangefahren sind und Lichthupe gegeben haben. Dazu passend gibt es Überwachungsvideos aus Tunneln oder Polizeifahrzeugen, dazu immer wieder Statements der Polizei.

Wenn man dann von einem Fahrer das Statement hört, dass er sich behindert fühlt, wenn er bei einer Geschwindigkeitsbeschränkung auf 60 km/h mit exakt dieser Geschwindigkeit hinter einem anderen Auto herschleichen muss, fasst man dich schon mal an den Kopf. Wenn er dann der Meinung ist, der „Schleicher“ müsse sich dann nicht wundern und brauche sich nicht aufregen, wenn man ihm den Vogel oder den Scheibenwischer zeigt, zweifle ich seine psychische Eignung zum Führen eines Kraftfahrzeugs an. Aber er meint, da wo 60 steht, darf man ruhig mal 80 fahren.

Später in der Sendung sagt der gleiche Fahrer, dass er kürzlich erst seinen Führerschein für vier Wochen abgeben musste. Wegen wiederholter Verstöße gegen Tempolimits. Und ein zweites Verfahren, bei dem es wohl auch um ein Fahrverbot geht, sei noch anhängig. Deshalb habe er sich und seine Fahrweise bereits hinterfragt und würde jetzt viel entspannter und ruhiger fahren. Aber beim Tempolimit von 60 km/h den Vordermann dazu bringen wollen, endlich 80 zu fahren. Ah ja. :roll:

Der ein oder andere war schließlich der Meinung, ein generelles Tempolimit könne die Situation auf der Autobahn entschärfen. Der Campingbus-Fahrer meine, 130 km/h sei ein gutes Tempo und würde sich auch harmonisch in die europäische Nachbarschaft einfügen. Eine andere Fahrerin meint, ein Tempolimit sollte sich im Bereich von 160 bis 180 km/h bewegen. Ich kann das erste Statement nicht nachvollziehen, das zweite noch weniger. In Europa gibt es meines Wissens nach kein Tempolimit von 130 km/h. Wenn, dann sind es 120. Und bei 160 oder 180 braucht man auch gar kein Limit mehr einführen.

Nun habe ich in der Piratenpartei an einem Papier im LV NRW mitgearbeitet, zu dem ich auch heute noch stehe: kein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen! 2 Statt dessen flexible Tempolimits, sie an die Verkehrslage und das Wetter angepasst werden.

Zurück zur Dokumentation: Andere forderten, die Bußgelder zu erhöhen. Noch andere meinten, dass sie dann wohl auch langsamer fahren würden, weil die Firma zwar das schnelle Auto stellt, nicht aber Knöllchen und Bußgelder bezahlt. Eine andere Forderung, die ich sogar nachvollziehen kann, ist ein Verbot von Kleintransporten auf der linken Spur. Ich würde die Dinger lieber drosseln, so dass diese seitenwindanfälligen Kisten nicht mehr so schnell fahren können. Das würde sie zwar nicht grundsätzlich von der linken Spur fern halten, aber sie würden dort doch seltener.

Bußgelder… ja, Kinners, schaut euch doch mal bei unseren Nachbarn um, was das Handy am Ohr, Geschwindigkeitsüberschreitungen oder falsch Parken dort kostet. Da sind unsere Geldbußen ein Witz! Hier sollte der Verkehrsminister endlich mal die Eier haben, unser Bußgeldsystem in Richtung Europa zu harmonisieren! Das würde zum einen endlich die abschreckende Wirkung haben, die man sich von Bußgeldern verspricht, zum anderen würden die chronisch klammen Stadt- und Staatssäckel etwas gefüllt.

Ach, ihr haltet mich für bescheuert, weil ich das fordere? Ich halte dagegen: haltet euch an die Regeln, dann braucht ihr euch auch keine Sorgen wegen Blitzern und hohen Bußgeldern zu machen. Und ja, ich selbst habe auch schon Bußgelder für zu schnelles Fahren bezahlt. In allen Fällen wegen Unachtsamkeit und nur relativ geringen Überschreitungen.

Dummerweise sind die einzigen Ansatzpunkte, Autofahrer zur Vernunft zu bringen, das Portemonnaie und der Führerschein. :-/

Keep it Country, Markus

Bildquellen:
Headerbild: Marino Castiglione / pixelio.de

2 Kommentare

  1. Marcus (Twitter: )

    Die Geschwindigkeitsvorgaben werden mittlerweile ja nur noch als ‚Empfehlung‘ nicht mehr als Vorgabe betrachtet.

    Mittlerweile ist ja selbst in den Städten Tempo 60 eher die Regel als die Ausnahme.

    Ich persönlich halte es normalerweise so, das ich Innerorts nicht schneller als 10 km/h über dem erlaubten liege. Außerhalb ist bei 20 km/h in der Regel Schluss.

    Richtig ist, das unsere Bußgelder im Vergleich zum europäischen Ausland ein Witz sind. Nur stellt sich die Frage, ob eine Verschärfung wirklich was bringen würde.

    Hier oben sehe ich selten eine Geschwindigkeitskontrolle auf den Land-, Kreis- oder Bundesstraßen. In den letzten 4 Wochen habe ich im Wendland gerade einmal 2 Blitzer stehen sehen. In einem weiteren Landkreis in dem ich täglich unterwegs bin gar keinen. Und ich reiße pro Tag um die 400 KM ab.

    Ob eine Drosselung der Transporter etwas bringen würde? Ich glaube nicht. Viele Lkws sind ja auch bereits ausgebremst. Aber wird deswegen weniger überholt?

    1. Markus (Twitter: ) (Beitrag Autor)

      Wenn die Bußgelder in Deutschland auf europäisches Niveau angeglichen werden, wird das Wirkung zeigen. Dann werden nämlich Summen fällig, die den meisten Autofahrern weh tun. Und der Führerschein ist auch schneller weg, was auch die trifft, denen Geld egal ist.

      Natürlich muss dann auch auch die Einhaltung der Verkehrsregeln mehr überwacht werden. Dafür schlage ich vor, die Polizei endlich mit dem Personal und Material auszustatten, welches dafür notwendig ist. Und natürlich müssen die Überwachungsregeln wieder dahin gehend geändert werden, dass nur an Gefahrenstellen geblitzt werden darf. Denn sonst wird an gut ausgebauten Straßen geblitzt, wo die Kasse richtig klingelt.

      Ja, LKW sind auch begrenzt. Nicht viele, sondern alle, außer vielleicht ein paar Oldtimer. Dass die trotzdem überholen liegt an den unterschiedlichen Motorleistungen und Ladungen. Wenn der Spediteur aus Geiz einen schwach motorisierten LKW kauft und den auf die zulässigen 40 t Gesamtgewicht ausladen lässt, kommt der Fahrer bei jeder kleinen Steigung ans Spucken. Der gut motorisierte und womöglich nur halb volle LKW überholt dann natürlich. So wird es auch bei Kleintransportern sein. Aber wenn die auf z.B. 120 km/h abgeregelt sind, wird da kaum einer überholen. Denn die sind in der Regel stark genug motorisiert, um auch voll ausgeladen das Tempo halten zu können.

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