Fahrradklimatest des ADFC

Fahrrad Header, Bild: Cowboy of Bottrop, Lizenz: CC-by-sa 3.0 de
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Zeichen 138Einmal im Jahr werden Radfahrer vom ADFC befragt, wie zufrieden sie mit ihren Städten in Sachen Fahrradfreundlichkeit sind. Bottrop sollte man da im Spitzenfeld erwarten, wurde es doch 2013 für fahrradfreundlich erklärt.

Der ADFC hat dabei einen Katalog von 27 Fragen ausgearbeitet, die mit Schulnoten beantwortet werden sollen. In Bottrop nahmen 172 Radfahrer an der Bewertung teil und kamen auf eine Durchschnittsnote von 3,82, in der Schule würde man wohl eher 3- sagen. Das reicht bundesweit für Platz 19 von 37 Städten mit 100.000 bis 200.000 Einwohnern, gegenüber der vorherigen Erhebung eine Verschlechterung um einen Platz. Da war man noch 15., in NRW 6. von 13.

Ich werde die Fragen jetzt mal hier für mich selbst stellen und schreibe die jeweilige Durchschnittsnote der 172 befragten Bottroper dazu:

1: Spaß oder Stress? (Note 2,9)
Ganz eindeutig, ich fahre nur, weil es Spaß macht. Wenn es stressig zu werden droht, nehme ich lieber das Auto. Meine Note: 2
2: Akzeptanz als Verkehrsteilnehmer? (3,8)
Als Radfahrer steht man dem Kraftfahrzeugführer im Weg. Der muss hinter einem her schleichen und überholt dann beinahe ohne Sicherheitsabstand. Aber ich kann das nachvollziehen, mir geht es hinter dem Lenkrad meines Autos oft ähnlich. Trotzdem halte ich gewisse Abstände ein, wenn ich an einem Radfahrer vorbei fahre. Als Fußgänger fühle mich jedoch von Radfahrern noch mehr gestört, wenn die auf Wanderwegen im Wald unterwegs sind, als wollten sie die Tour de France gewinnen oder die Halden runterbrettern, als wären sie allein auf der Welt. Selbst mit dem Rad unterwegs, bemerke ich auch, dass viele Fußgänger ähnliche Erfahrungen gemacht haben müssen und mir mit entsprechendem Argwohn begegnen. Eine glatte 5 für die Akzeptanz, wobei viele Radfahrer sicher selbst Schuld daran sind.
3: Fahren alle Rad oder eher Kinder und Sportler? (2,9)
Kinder und Sportler in erster Linie, am Wochenende und an Feiertagen sind bei schönem Wetter aber auch oft ganze Familien auf Radtour. Ansonsten sieht man in der Tat eher Sportler auf ihren Trainingsrunden oder Kinder, die keine andere Möglichkeit haben. Oder eben Radfahrer, die schlicht auf den Drahtesel angewiesen sind, weil sie vielleicht kein Auto haben. Da sind nur vereinzelt Leute mit dem Rad unterwegs, die es eigentlich nicht bräuchten. Von mir eine 3.
4: Werbung für das Radfahren? (3,8)
Das Verhalten einiger Radfahrer, besonders der Sportler, schreckt eher ab. Ich selbst will gar keine Werbung fürs Radfahren machen, soll bitte jeder für sich entscheiden, ob er in die Pedale treten will, oder nicht. Wenn man mich explizit fragt, gebe ich eine Antwort, ansonsten halte ich mich da raus. Eine neutrale 4
5: Zeitungsberichte eher positiv oder negativ über Radfahrer? (3,7)
Wenn man in der Zeitung was über Radfahrer liest, dann meist im Zusammenhang mit Unfällen. Man kann den Eindruck bekommen, Radfahren sei gefährlich. Nicht gut für Radfahrer, werte Presse. Setzen, 6!
6: Fahrradförderung in letzter Zeit? (3,7)
Was ist gemeint? Förderung in Form von Zuschüssen oder Prämien beim Fahrradkauf sicher nicht. Förderung der Aktivität? Durch die ein oder andere Aktion, die zum Teil sogar mit Preisen prämiert werden, ja. Aber nichts für die breite Masse wie ich finde. Förderung in Form von Infrastrukturausbau? Bedingt, denn einen Strich auf die Straße malen und zu sagen, rechts davon ist Radweg, links davon für die Autos, das reicht sicher nicht aus. Meine Meinung: 4
7: Falschparkerkontrolle auf Radwegen? (4,7)
Findet so gut wie nicht statt. Und von Autofahrern wird man zum Teil auch noch bedroht, wenn man sich beschwert. Reicht nur für eine 6.
8: Reinigung der Radwege? (4,7)
Da, wo nur ein Strich auf der Straße den Radweg vom KFZ-Bereich trennt, kommt der städtische Besenwagen gut hin. Wo die Radwege baulich vom KFZ-Bereich getrennt sind oder gar abseits der Straßen führen, ist Reinigung oft Fehlanzeige. Da bedarf es schon gezielter Hinweise auf grobe Verunreinigungen, um die Mitarbeiter der BEST (Bottroper Entsorgung und Stadtreinigung) hinterm Ofen hervorzulocken. Eine 5 von mir.
9: Ampelschaltungen für Radfahrer? (4,9)
Abgesehen von Radfahrer-Ampeln in der City entlang der Friedrich-Ebert-Straße gibt es keine Ampeln, die in irgendeiner Form Rücksicht auf die Bedürfnisse von Radfahren nehmen. Mir persönlich recht egal, da ich lieber abseits der Straßen unterwegs bin, aber ab und zu ärgere ich mich auch mal über die Ampeln und ihre Schaltungen. Reicht für eine 5.
10: Winterdienst auf Radwegen? (5,1)
Findet nicht statt. Da, wo bei der Reinigung der Besenwagen hinkommt, kommt auch der Schneepflug und Streudienst hin, ansonsten ist es im Winter beinahe lebensgefährlich mit dem Fahrrad. Die Radwege im Wald, an der Emscher oder am Kanal werden eh nicht geräumt, an den Straßen mit baulich vom KFZ-Bereich getrennten Radwegen wird der Schnee von den Anwohnern beim Räumen der Gehwege auf die Radwege gekippt, so dass diese gar nicht mehr nutzbar sind. Mehr als eine 6 ist nicht drin.
11: Sicherheitsgefühl? (3,9)
Sicher kann man sich als Radfahrer nur da fühlen, wo im Normalfall kein Kraftfahrzeuge hinkommen. Im Straßenverkehr ist man aufgrund der fehlenden Akzeptanz (siehe Punkt 2) immer gefährdet. Weil Autofahrer ohne Sicherheitsabstand überholen, ohne zu gucken Türen öffnen oder abbiegen. Weil man auf dem Radweg geparkten Autos ausweichen muss oder der Radweg bzw. die Straße selbst ein hohes Gefahrenpotential beherbergen und man ständig irgendwelchen Schlaglöchern ausweichen muss, womit der Autofahrer hinter mir möglicherweise nicht rechnet und mich deshalb trifft. Ich muss die Note zweiteilen: Sicherheit im Straßenverkehr ist eine 5, abseits der Straßen eine 2. Macht eine 3,5 im Schnitt.
12: Konflikte mit Fußgängern? (3,4)
Hab ich unter Punkt 2 ja was zu geschrieben. Ich denke, hier ist der Radfahrer der stärkere und hat entsprechende Rücksicht zu nehmen. Das soll natürlich kein Freibrief für Fußgänger sein, die Verkehrsregeln zu ignorieren. Ich selbst habe als Radfahrer nur wenig Probleme mit Fußgängern, auch wenn die manchmal recht argwöhnisch sind. Hier gibts eine 2.
13: Konflikte mit dem Autoverkehr (3,9)
Auch hier verweise ich wieder auf Punkt 2. Ich habe schon viele Situationen erlebt, wo Autofahrer mich bedroht haben. Sei es, weil ich vor ihnen her gefahren bin und keinen Platz gemacht habe, weil ich als Linksabbieger auf eine Hauptverkehrsstraße abbiegen wollte und dem rechts abbiegendem Autofahrer die Sicht nahm, oder weil ich mich bei einem Autofahrer über sein rücksichtsloses Verhalten beschwert habe. Viele, vor allem Rentner und Fahranfänger, und leider auch viele Fahrer mit ausländischen Wurzeln halten sich scheinbar für die Krone der Schöpfung und die Könige der Straße. Gibt eine 4 von mir.
14: Hindernisse auf Radwegen (4,1)
Neben den falsch parkenden Autos stören an Müllabfuhrtagen die Mülltonnen. Wenn schon die Anwohner die Tonnen nicht auf die Radwege stellen, dann die Mitarbeiter der Müllabfuhr nach dem Entleeren der Tonnen. Ansonsten wird gerne mal Sperrmüll auf den Radwegen deponiert, oder Fußgänger nutzen den Radweg mit. Letztere machen jedoch meist schnell Platz. Von mir eine 4.
15: Fahrraddiebstahl? (4,0)
Ich selbst habe noch keine Erfahrungen mit diesem leidigen Thema machen müssen. In meinem erweiterten Bekanntenkreis hörte ich jedoch bereits das ein oder andere Mal davon, wobei ich da jeweils nichts über vorhandene Schlösser gehört habe. Meiner Frau wurde, als sie noch bei ihren Eltern wohnte, ein Fahrrad unter dem Küchenfenster weggeklaut, welches zwar mit einem Schloss gesichert war, aber eben nicht angekettet wurde. Über die Qualität des Schlosses ist mir auch nichts bekannt. Wenn ich aber in der City abgestellte Fahrräder sehe, die augenscheinlich nicht preiswert waren, und die Schlösser daran eher wie aus dem Ramschladen wirken, sage ich nur: Gelegenheit macht Diebe. Meine eigenen Erfahrungen lassen mich hier jedoch eine 2 geben, da das Anketten nicht immer so ganz einfach ist.
16: Das Fahren auf Radwegen oder Radfahrstreifen? (4,1)
Ich habe oben schon mal erwähnt, dass Radwege nicht immer ganz ungefählich sind. Sei es, weil sie recht schmal sind, weil sie vom Wurzelwerk der Straßenbäume angehoben werden, mit Schlaglöchern übersät oder zugeparkt sind. Dazu kommt das oft rücksichtslose Öffnen von Autotüren. Mitten auf der Straße fühle ich mich manchmal sicherer. Nur eine 5.
17: Radfahren auf der normalen Fahrbahn? (4,1)
Nicht anders als beim Fahren auf Radfahrstreifen, in beiden Fällen fahre ich am rechten Fahrbahnrand. auch eine 5.
18: Breite der Radwege? (4,4)
Die Radfahrstreifen am Fahrbahnrand sind schon oft grenzwertig, entsprechen gerade den gesetzlichen Mindestanforderungen. Baulich von der Fahrbahn getrennte Radwege sind oft viel zu schmal, überholen ist ohne ein Verlassendes Radweges nicht möglich. Allerdings ist hier meist auch die Benutzungspflicht aufgehoben. Gut ausgebaute Radwege entlang der Straßen sind in Bottrop Mangelware. Gibt eine 5.
19: Oberfläche der Radwege? (4,4)
Hier zeichnet sich ein zweigeteiltes Bild. Wo einfach Radfahrstreifen auf die Straße gepinselt wurden, sind die Oberflächen meist recht eben. Auch neu gebaute Radwege mit Pflasterung schneiden hier gut ab. Aber die meisten älteren Radwege zeichnen sich durch Schlaglöcher oder von Baumwurzeln angehobenes Pflaster aus, so dass das Fahren hier keinen Spaß macht. Gibt ne wohlwollende 4.
20: Abstellanlagen? (4,0)
Ja, gibts auch. Wo sie vorhanden sind, sind sie gut. Eine Gummierung zum Vermeiden von Lackschäden an den Fahrrädern fehlt jedoch. Und es dürften gerne mehr sein, denn die vorhandenen sind gerade bei schönem Wetter schnell alle belegt. Ich beziehe mich hier allerdings auch nur auf den Bereich der City, außerhalb der Innenstadt sind mir außer am Südringcenter/Hauptbahnhof noch keine Abstellanlagen für Fahrräder aufgefallen. Auch nur eine 4.
21: Führung an Baustellen? (4,6)
Oft heißt es einfach: Radfahrer absteigen! Wo man weiter fahren darf, ist die Führung aber gerne chaotisch, unübersichtlich und gefährlich. Gibt eine glatte 5!
22: Fahrradmitnahme in Bus und Bahn? (4,0)
Ein Themenbereich, mit dem ich selbst noch keine Erfahrungen gesammelt habe. Deshalb gibts hier von mir keine Wertung.
23: Erreichbarkeit des Stadtzentrums mit dem Rad? (2,7)
Je näher man der Innenstadt mir dem Fahrrad kommt, desto besser lässt sich fahren. Wobei die Radwege jedoch nicht immer das Geld wert sind, mit dem sie einst gebaut wurden. Insbesondere aus dem Süden Bottrops, wo ja auch ich ansässig bin, ist es meist kein schönes Fahren, da ist das Centro in Oberhausen auf angenehmeren Wegen zu erreichen. Deshalb weiche ich deutlich vom Schnitt ab und gebe nur eine 4.
24: Zügiges und direktes Fahren möglich? (3,0)

Eher durchwachsen. Solange man entlang der Hauptstraßen unterwegs ist, muss man an den meisten Ampeln stehen bleiben, die Schaltungen sind auf den KFZ-Verkehr abgestimmt. Die kürzesten oder direkten Wege sind allerdings oft durch Öffnung von Einbahnstraßen für Radfahrer oder durchlässige Sackgassen möglich. Da jedoch das Radeln gegen die Fahrtrichtung von Einbahnstraßen nicht ganz ungefährlich ist, gibts hier nur eine 4.
25: Viele Einbahnstraßen in beiden Richtungen offen für Radler? (3,2)

Ja, das ist wohl so, siehe vorherigen Punkt. Wie gesagt, ich halte das für nicht ganz so ungefährlich, weil viele Autofahrer den Zusatzhinweis übersehen und dann, von entgegen kommenden Radfahrern überrascht, unerwartet und gefährdend reagieren. Wie gesagt, eine 4.
26: Wegweisung für Radfahrer? (2,9)
Der RVR ist für die Beschilderung der Radwanderwege zuständig, die auch durch Bottrop führen (die roten Schilder). Hier stehen dann auch die Hinweise zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt, wir z. B. zum Tetraeder. An den Schildermasten hängt eine Telefonnummer, wo man schnell und unkompliziert fehlende Schilder melden kann. Vorbildlich. Leider kann die Stadt Bottrop hier nicht mithalten und man ist als Radfahrer auf die Beschilderung für Autos angewiesen, wenn man sich nicht auskennt und ein einen bestimmten Stadtteil möchte. Auf möglicherweise vorhandene Radwege, die eine Abkürzung oder ein angenehmeres Fahren bedeuten würden, wird nicht hingewiesen. Das geht besser. Von mir nur eine 4…
27: Öffentlich verfügbare Leihräder? (2,6)
Die Stationen der Metropol-Rad sind verwaist, Leihfahrräder sucht man hier vergebens. Es hieß, die Zahl der Stationen solle reduziert werden, weil viele Stationen nicht rentabel sind. Allerdings wurden bereits länger schon überhaupt keine Räder mehr an irgendeiner Metropol-Rad-Station gesehen, und ein Kommentator bei der WAZ will die Aussage der Betreiber bekommen haben, dass in Bottrop derzeit tatsächlich keine Räder zur Verfügung stehen und man auch nicht wisse, ob und wann sich das ändert. Das lässt mich nur eine 6 geben, obwohl die Stadt Bottrop hier nur wenig Einfluss drauf hat.

So, ich komme also auf eine Wertung von 4,1 im Durchschnitt, bin also gar nicht so viel schlechter, als der Durchschnitt der 172 befragten bottroper Radfahrer. Die Fragen und die einzelnen Wertungen habe ich heute in der WAZ entdeckt, der zugehörige Artikel ist auch online verfügbar 1. In dem ist auch zu lesen, dass Münster die Spitzenposition inne hat, was sicher niemanden groß überrascht.

Mein Fazit ist also, dass ich mich als Radfahrer besser aus Bottrop entferne, am für mich naheliegenden Rhein-Herne-Kanal irgendwo in West- oder Ostrichtung hinfahre. Zum Centro, Kaisergarten in Oberhausen oder Landschaftspark Duisburg Nord kommt man da nämlich bequem und komfortabel, ebenso zur Mündung der Ruhr in den Rhein in Duisburg. Auch in die andere Richtung kommt man gut weg, nach Gelsenkirchen zum Nordsternpark, von da aus zur ZOOM Erlebniswelt oder nach Essen zum Weltkulturerbe Zollverein und von dort weiter über die Erzbahntrasse zum Westpark und zur Jahrhunderthalle in Bochum. Aber in Bottrop selbst fühle ich mich als Radfahrer nicht wirklich wohl.

Keep it Country, Markus

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