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Hemlpflicht für Radfahrer?

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Aktuell geistert mal wieder eine Diskussion um eine Helmpflicht für Radfahrer durch das weltweite Netz. Das alte Lied, es werden regelrecht Grabenkämpfe ausgetragen, so festgefahren sind die Meinungen der Protagonisten. Dazu hab ich auch eine Meinung, die ich hier mal ungefragt in die Welt hinausposaunen will. ;-)

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Unter anderem „Der Freitag“, ein meiner Meinung nach eh nicht ganz erst zu nehmendes Wochenblatt, haut Anfang Februar in der Ausgabe 05/2021 ordentlich in diese Kerbe, allerdings mit einem Pro- und einem Contra-Artikel. Beide sind online abrufbar, und genau da hab ich sie auch gelesen, nachdem ich über Facebook darauf aufmerksam wurde.

Zunächst einmal bin ich ganz klar gegen eine Helmpflicht für Radfahrer, die diese würde der Verkehrswende entgegenstehen. Mündige Bürger, die jetzt gerade in der Coronazeit den Weg aufs Fahrrad gefunden haben, würden davon wieder abgeschreckt. Denn im Gegensatz zum Auto und seiner in den Siebzigern des letzten Jahrhunderts eingeführten Gurtpflicht kann das Fahrrad schnell in der hintersten Ecke der Garage oder im Keller auf Nimmerwiedersehen verschwinden.

Unbestritten, so ein Helm kann vor schweren Kopfverletzungen schützen. Vorausgesetzt, er wird korrekt getragen. Aber genau daran scheitert es bereits oft, der Helm sitzt schräg, ist nicht richtig fest, oder beides. Da hilft auch die Anpassungshilfe beim Kauf nichts, sofern man denn überhaupt im Fachgeschäft kauft und nicht beim Discounter oder online. Nur, ein schlecht sitzender Helm kann nicht so gut schützen, wie es ein korrekt aufgesetzter und befestigter Helm kann.

Ich selbst besitze zwar einen Fahrradhelm, trage ihn jedoch äußerst selten. Zum einen gehe ich niemals ohne meinen Hut oder zumindest einem Baseballcap aus dem Haus, was sich beides schlecht mit einem Helm vereinbaren lässt, zu anderen stamme ich noch einer Generation, die eine Kindheit ohne Helme, dafür mit aufgeschürften Knochen und Dreck im Magen überlebt hat. ;-) Bei meinen Kindern habe ich jedoch darauf geachtet, dass sie mit Helm fahren, und habe meinen Helm bei gemeinsamen Ausfahrten ebenfalls aufgesetzt. Vorbildfunktion und so…

Nun ja, meine Tochter hat sich immer gegen den Helm gewehrt, ihn letztlich aber doch getragen. Mein Sohn hingegen ist freiwillig nochmal nach oben gelaufen, wenn er den Helm vergessen hat. Erst mit ca. 14 oder 15 Jahren fing er an, den Helm auch mal wegzulassen. Heute, mit 18, trägt er in gar nicht mehr, hat auch gerade keinen passenden mehr.

Wenn man aber jetzt mal die Situation sieht, in der Radfahrer im Straßenverkehr verunglücken, sind doch oft die motorisierten Verkehrsteilnehmer die Verursacher. Der Radfahrer wird einfach übersehen, insbesondere beim Abbiegen. Ja, es gibt auch genug Radfahrer, für die Verkehrsregeln allenfalls Handlungsempfehlungen sind und die durch ihr Verhalten Gefahrensituationen provozieren. Trotzdem sind es meist Auto- und LKW-Fahrer, die letztlich die Unfälle verursachen.

Als Problem sehe ich die Elektromobilität. Zum einen sind elektrisch angetriebene Autos kaum zu hören und werden dementsprechend erst spät wahrgenommen, zum anderen sind es gerade mit E-Bike oder Pedelec „bewaffnete“ Senioren, die sich mit ihren fahrbaren Untersätzen für die Könige der Wälder halten. Aber im Straßenverkehr wird die Geschwindigkeit der elektrischen Fahrräder häufig unterschätzt, was dann wieder zu Unfällen führt.

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Ich kenne die Situation aus allen Perspektiven. Als Autofahrer rege ich mich regelmäßig über Radfahrer auf, die benutzungspflichtige Radwege ignorieren und auf der Straße zu zweit nebeneinander fahren (und sich dann noch beschweren, wenn man dahinter die Hupe betätigt).

Als Radfahrer ärgere ich mich immer wieder über Autofahrer, die beim Überholen den Sicherheitsabstand deutlich unterschreiten. Da kommt ja noch Gegenverkehr, aber ich will da jetzt an dem Fahrrad vorbei, dahinter bleiben ist keine Option.
Ebenso gibt es ignorante Fußgänger, die auf den Rad- und Wanderwegen im Wald oder am Kanal nicht auf Klingelzeichen reagieren. Sei es, weil sie laute Musik über Kopfhörer „genießen“, oder weil sie einfach der Meinung sind, der Radfahrer weicht schon aus. Nur, wohin? Oft ist kein Platz zum Ausweichen.
Dazu kommen dann die Hundehalter, die ihre Vierbeiner nicht im Griff haben, welche einem dann unangeleint direkt vors Fahrrad laufen.

Aber auch ich bin als Hundehalter und Fußgänger unterwegs. Und da ärgern mich Autos nur selten. Allenfalls, wenn sie verbotenerweise hier durch den Wald fahren. Aber Radfahrer sind regelmäßig Kontrahenten. Entweder klingeln die gar nicht, wenn sie von hinten angerauscht kommen, oder erst, wenn sie nur noch einen Meter hinter mir sind. Und dann beschweren sie sich, dass ich nicht rechtzeitig Platz mache. Entschuldigt bitte, dass ich hinten keine Augen habe.
Besonders schlimm sind dabei die bereits erwähnten, elektrisch radelnden Senioren, aber diverse Mountainbiker, plötzlich aus dem Gelände geschossen kommen. Und da wo es eng wird, muss man denn ja auch nicht langsamer fahren. Die anderen haben schließlich aufzupassen, wenn ich da angerast komme.

Wie wir sehen, sind die Unfallursachen vielfältig, und sicher sind hier und da auch Radfahrer die Verursacher. Wenn man aber mal z.B. in die Niederlande schaut, wie man Verkehrswege fahrradfreundlich gestaltet, und sich da mal ein paar Anleihen nehmen würde, kann man schon allein dadurch viele Situationen entschärfen. Wenn dann noch jeder etwas aufmerksamer und rücksichtsvoller ist, sich mehr an die bestehenden Regeln hält und nicht immer nur an das eigene Vorwärtskommen denkt, sind Helme sicherlich fast schon überflüssig.

Versteht mich nicht falsch, wer einem Helm tragen will, darf das natürlich gerne tun. Aber ein Pflicht lehne ich ab. Auch dann, wenn sie nur für Kinder gelten sollte, was ja auch im Gespräch ist. Bei E-Bikes, also denen mit Versicherungskennzeichen, sollte allerdings eine Helmpflicht gelten. Denn für ebenso schnell fahrende Mofas gilt sie schließlich auch.

Letztlich ist es wie im Berufsleben bei der Unfallverhütung: Als erstes werden technische (bauliche) Maßnahmen umgesetzt, um Unfälle zu vermeiden, danach kommen organisatorische Maßnahmen (Regeln), die zu befolgen sind. Und erst zuletzt kommt die PSA, die persönliche Schutzausrüstung, also der Helm.

Dass den Kommunen, die die baulichen Maßnahmen umsetzen müssen, dafür auch die Gelder zur Verfügung gestellt werden müssen, ist klar. Hier sind Land, Bund und letztlich auch die EU gefordert.

Keep it Country, Markus

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